"Giacometti effect"

posted by SOG

Wir haben eine gleichnamige Kategorie für Ideen und Produkte angelegt, weil es einige Ansätze "nur" bis dahin geschafft haben.

Definition der Kategorie:

“Wenn die Dinge sich bei uns nur durch den inneren Impuls ergeben – und nicht wie oft üblich der künstlichen Aufgabenstellung folgen – dann kann es zum "Giacometti-Defect" kommen. Darunter subsumieren wir jene Ideen, die zeitgleich, eher oder knapp später von anderen Menschen genauso oder sehr ähnlich gedacht und umgesetzt wurden oder Ideen, die (zu) schnell von der Wirklichkeit eingeholt wurden.

Giacometti saß in seinem Keller und arbeitete emsig vor sich hin und nahm kaum Kenntnis von der Außenwelt. Auf diesem Wege stellte er Fragen, die für ihn wichtig waren und fand Antworten, die er für richtig hielt. Das nennen wir Handeln aus dem inneren Impuls und nur so kommt es zu intrinsisch motivierten Produkten, die wir als legitim bewerten.

Bei dieser Arbeitsweise kann es dazu kommen, dass man Ideen hat, die andere Menschen bereits schon hatten, weil man sich nach innen und nicht nach außen orientiert. Die erneute Erfindung des Rades ist dieser Arbeitsweise immanent.

Die entstandene Idee bzw. das Produkt haben somit einen Geburtsfehler – einen Defekt – den "Giacometti-Defect". Man kann unter Ideen leiden, die dem Giacometti-Defect zugeordnet werden müssen. Denn die Denkleistung ist selbstständig vollbracht und dennoch bleibt der Ruhm oder Erfolg einem anderen vergönnt. Dennoch betrachten wir es kraftvoll, da es uns selbst als Beweis dient, die Dinge denken zu können. 

Ein weiterer Aspekt des Giacometti-Defects ist, dass manche Ideen schnell an Relevanz einbüßen, weil ihre Zeit zu schnell gekommen bzw. schnell wieder vorbei ist. Finden mehrere Menschen gleiche oder ähnliche Antworten, dann liegt die Annahme nahe, dass die Antwort zwingend ist, wenn man einer gewissen Logik folgt oder ähnliche Prämissen zu Grunde liegen.

Gerade bei frisch aufkommenden Fragestellungen (Themen, Moden, Veränderungen) kommt es zu einer Deklination der Möglichkeiten. Manche Antworten sind dann naheliegend und führen manchmal zur Redundanz. Ob dies als Beweis dienen kann, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Möglichkeiten innerhalb eines Systems (einer Fragestellung unter Berücksichtigung der Regeln) gibt, lässt sich an dieser Stelle behaupten.

P.S. In jedem Fall sollte der Effekt nicht mit der Kopie verwechselt werden! Die folgt einem Vorsatz, sich an etwas dranzuhängen, um zu partizipieren oder mit dem Erfinder/Denker verwechselt zu werden.