"Simplicity"

"Simplicity"

Wir haben uns vor mehr als 150 Jahren an eine Begrenztheit durch die Bedingungen und Möglichkeiten maschineller Fertigung zum Vorteil massenhafter Serienproduktion gewöhnt.

posted by SOG

Entformungsschräge, Form-Abdruck, ... diese Prinzipien führen zu einer Vereinfachung der Produkte und somit der physischen Dingwelt.

In den 1920er Jahren manifestierten die "Modernisten" und "Bauhäusler" die maschinelle Begrenztheit retrospektiv in einer Philosophie, bzw. einer Epoche: die, der Abstraktion.

In der Philosophie stellt die Fähigkeit zum abstrakten Denken eine intellektuelle Leistung dar. Die Abstraktion ist eine Vereinfachung nach Prioritäten, die relevante Aspekte des Komplexen weiterhin beschreibt; weniger relevante jedoch vernachlässigt, um eine gewisse Übersicht oder auch Erkenntnis zu gewinnen. In diesem Sinne dient sie dem Verständnis des undurchdringbaren Komplexen. Sie ist somit nur Mittel zum Zweck.

Allerdings wurde die philosophische Idee der Abstraktion mißverstanden und mit dem Schlichten, dem Reduzierten verwechselt. Diese sind nicht mehr nur Mittel zum Zweck auf dem Weg zu einem Verständnis der Komplexität, sondern sie stellen bereits das verarmte Endergebnis selbst dar. Sie verkehrte sogar die Priorität: form follows function. Seit dem herrscht ein regelrechtes Diktat der simplicity.

Doch die Vereinfachung kann die Wirklichkeit in ihrer Komplexität nicht darstellen. Zu viele Informationen/Aspekte bleiben dabei auf der Strecke. Daher ist uns die Huldigung dieser eindeutigen Armut, die in den Plattenbauhäusern und den kalten, „gradlinigen“ Möbeln pervertierte, absolut unverständlich. Sie bedeutet für uns nur ein Arrangement mit der Begrenztheit der Maschinenfertigung durch die oben beschriebenen Prinzipien und eine Kapitulation vor der Herausforderung (Innovationsstau), die es zu überwinden gilt.

Nur die Fähigkeit zur Produktion von Dingen, die sowohl die maschinellen Fertigungsprinzipien überwindet, als auch die zuvor handwerklichen Produktionsmängel sublimiert, kann versuchen, sich einem Abbild und somit dem Verständnis der Wirklichkeit anzunähern. 

Das macht für uns den Zauber der Digitalisierung der Welt aus, die sich durch den 3-D-Druck wieder in die dingliche Welt einbringt und das geforderte möglich macht: Natürlichkeit und Komplexität, Schönheit durch Selbstverständlichkeit.

Beispiel des Missverständnisses:

Die Schönheit eines iPads liegt nicht in seinem schlichten Äußeren. Die Schönheit liegt in der Komplexität der Möglichkeiten und der grundsätzlichen Idee von Leistung und Potenz, die dem Menschen dienen soll. Nicht der Mensch soll die Maschine verstehen und lernen mit ihr umzugehen, sondern die Maschine muss so gemacht sein, dass sie dem nativen Verhalten des Menschen entspricht. Damit muss der Mensch nicht sein Denken und Handeln den eingeschränkten Bedingungen und Möglichkeiten der Maschine anpassen, sondern der Anspruch an die Maschine wird höher - sie muss die Leistungsfähigkeit des Menschen erhöhen - z.B. das Denken der reinen Idee.

Im übrigen: alles, was aussieht wie ein iPad, aber weniger leistungsfähig ist, ist keine Kopie, sondern ist ein überflüssiges Produkt, da es mindestens graduell auf einer geringeren Stufe steht und somit nur eine Verarmung darstellt. Überflüssige Ressourcenverschwendung!