"HOB STORY"

Der Hob-Sessel war unser zweites Produkt, das wir für COR entwarfen. Die Idee basierte auf einem Ansatz, der so grundsätzlich ist, wie es der "Freischwinger" in den 40er Jahren war: Elastizität durch einen Formholzschwung. 

posted by Llork

 

Leo Lübke war von unserer "Mrs. Elastic" begeistert. Gemeinsam starteten wir das für COR nicht ganz unaufwändige Projekt mit der Bezeichnung "Hob". Ein Stuhl und ein Sessel, aus Formholz – dünn und elastisch, mit einladender Sitzform, wurden parallel anmoderiert.

In der Zusammenarbeit mit Europas führendem Formholz-Hersteller kam es zu dem zentralen Fehler: Der Hersteller der Formholzsitzschalen riet COR vom Wesen des Entwurfes ab, indem er mit höheren Kosten für eine aus zwei Teilen bestehende Sitzschale argumentierte. Tatsächlich hätte es aber eine querschnittsminimierte Formholz-Innovation bedeutet, die der Hersteller nicht leisten wollte. Er empfahl eine bombensichere Materialstärke, so dass sich die Sitzschale selbst beim Aufschwingen eines 120 kg schweren Objektes nicht signifikant bewegt – also das Gegenteil der zentralen Idee des Hob – einer flexiblen, frei schwingenden Sitzfläche.

HOB Sessel so wie er sein sollte – dünne Formholzschale mit Sichtfurnier

HOB Sessel so wie er sein sollte – dünne Formholzschale mit Sichtfurnier

HOB Sessel mit dicker Polsterung

HOB Sessel mit dicker Polsterung

Unser anfangs so schlüssiger Entwurf, der seine Sitzqualität allein durch die intelligente Dosierung und Abstimmung der Materialeigenschaften einer federähnlich konstruierten Formholzsitzschale erreichen sollte, wurde durch unsachgemäße, unambitionierte Dienstleistungsentscheidungen konterkariert („Complex-Effect“). Mit einer Materialstärke von über 10 mm verlor die Sitzschale jegliche Federeigenschaften. Logischerweise führten die im wahrsten Sinne des Wortes harten Fakten COR dazu, den Sitz zu polstern. Was aus dem Hob einen fast schon trivialen, gepolsterten Formholz-Sessel machte. 

Somit war der Kollaps des Entwurfes besiegelt. Das Ergebnis diverser Fehlentscheidungen und vorauseilenden Gehorsams war ein Produkt, welches ebenso wie der Pate des "Megane-Effects", der Renault Megane, keine klare Aussage mehr treffen konnte. Der Entwurf erschien dem Betrachter lediglich formal, die Ablagefläche unter dem Sitz als „Designgag“. COR hat es nicht verstanden, das Prinzip der Elastizität durch einen Formholzschwung zu einem neuen Klassiker auszuentwickeln.

Ganz zu Recht wurde das Produkt in dieser Form in der Schublade archiviert, in der Dinge verschwinden, die die Welt nicht braucht.

Alles in allem war dieses Projekt der Auftakt zu einem Schwanken zwischen der Begeisterung für ein neues Prinzip (Innovation), leistbar durch die marktwirtschaftlichen Verhältnisse, und den ersten Zweifeln daran. Das nennen wir den "80% Effekt".