"ROLF BENZ STORY"

"ROLF BENZ STORY"

posted by Llork & SOG

MAIL AN VERTIJET VOM PROJEKTMANAGER "FREISTIL" ROLF BENZ GMBH

18. Dezember 2013

Hallo,

entschuldigen Sie bitte, dass ich bei Ihnen so reinplatze: mein Name ist S. B., und ich bin für die gestalterische und technische Seite der neuen Rolf Benz Kollektion freistil verantwortlich. Als Team sind wir dabei zu Dritt: A. H. und M. S., sie zuständig für die gesamte Markenkommunikation, er für den Vertrieb.

freistil wurde im Mai 2011 zum ersten Mal veröffentlicht, mit dem Ziel zu der Marke Rolf Benz, die nun doch hauptsächlich ein mehr grauschläfiges Publikum anspricht, eine attraktive Alternative für jüngere Menschen zu bieten (mehr in geistiger Hinsicht als im Sinne von Lebensjahren zu verstehen): innovativ gestaltete Einrichtungskonzepte, in einer guten Qualität, in Deutschland (bzw. in mitteleuropäischen Vorstufen) produziert.

Uns ist wichtig, dass der Nutzer durch unsere Produkte viel und lange Freude daran hat, und dass sie in menschenwürdigen Verhältnissen entstehen, sowohl was unsere betrieblichen Arbeitsstätten hier angeht, als auch die unserer Zulieferer. Gleichzeitig ist es uns gelungen, eine wachsende Kollektion mit Produkten auf den Markt zu bringen, zu Preisen, die nach dem gemeinen Branchenverständnis nur durch Produktion in Ländern mit geringen Arbeitslöhnen möglich sind. Darauf sind wir auch ein wenig stolz.

Mehr zu der Kollektion finden Sie unter www.freistil-rolfbenz.com .

Warum erzähle ich Ihnen das alles?

In den nun vergangenen zwei Jahren waren wir vollauf damit beschäftigt die Potentiale des Marktes auszuloten und gleichzeitig Wege zu finden, diese unter den zuvor genannten Bedingungen zu realisieren. Mal tapsig, mal smart. Wir denken aber, dass wir uns inzwischen eine recht solide konzeptionelle Basis erarbeitet haben, von der aus wir den Schritt in eine Zusammenarbeit wagen können mit Designer-Persönlichkeiten, die uns experimentell fordern.

Sie sehen die alltäglichen Dinge anders oder gar völlig ungewohnt, bleiben dabei aber einem funktionalen Grundkonzept treu.
Ich habe in den letzten Wochen die gesamte Designszenerie in Europa gescreent, und blieb jedes Mal, wenn es um diese, zu uns passende Grundhaltung ging, bei Ihnen hängen.
Wie wär’s, wenn wir in den nächsten Tagen mal telefonieren, um zu sehen, ob sich mehr daraus machen lässt.

Mit freundlichem Gruß

S. B.
Produktmanager freistil


MAIL AN PROJEKTMANAGER "FREISTIL" ROLF BENZ GMBH

9. Januar 2014

Sehr geehrter Herr B.,

Vielen Dank für Ihre engagierte Anfrage. 
Wir haben uns etwas Mühe gemacht und ein Bild im Anhang mitgesendet.

Wie Sie darauf sehen, scheinen wir in einer Parallelwelt zu leben. Unsere Vorstellung von zukünftigen, innovativen und jungen Möbeln sehen anders aus.
Die Frage ist, was können wir für Sie tun?

Beste Grüße, Stefanie Oeft-Geffarth

vertijet_rolfbenz

 

Herr B. hat sich dennoch nach dieser Mail mit uns getroffen. Er hat sich interessiert gezeigt und versucht, sich progressiv zu geben (er hat sich tapfer gehalten). Herr B. hat dann das Feld geräumt, eine Zusammenarbeit anberaumt und sich nie wieder gemeldet.

Eklatant ist das Problem, dass der Nierentisch aus den 50ern, das jeans-bezogene Sofa aus den 70ern oder der Freischwinger aus den 30ern als innovativ, modern und jung gelten.

Obwohl sie sich bereits zu diesen Adjektiven bekannt haben, wiederholen sie nur das Repertoire anderer, streichen es bunt an und glauben, die Lösung ihrer immer akuter werdenden Probleme liegt im Eklektizismus. 

Dass es andere, echte Antworten/Lösungen/Ideen geben kann, wollen sie weder wirklich wissen, schon gar nicht erkennen, geschweige denn umsetzen. So vergehen die echten Chancen durch blanke Arroganz.

Betriebswirtschaftlich gesehen wäre das zu ignorieren. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es eine Katastrophe. Denn, lieber Herr B., dieses Verhalten hält die Innovationskrise seit 2008 am Leben und zwingt unsere Marktwirtschaft in die Knie.