"Atlantis effect"

"Atlantis effect"

Das Scheitern der menschlichen Intelligenz am Phänomen der Komplexität

posted by Llork

 

Dem Interessierten ist die Atlantis-Überlieferung vertraut. Schwerpunkt dieser Überlieferung ist die Annahme, dass es sich bei dem Phänomen Atlantis nicht nur um eine Stadt oder einen Staat gehandelt haben könnte, sondern um eine globale, verbreitete Gesellschaftsform. Diese war entsprechend den wissenschaftlich gänzlich unbestätigten Mutmaßungen so hoch entwickelt, wie unsere heutige, globale, hoch komplexe Kultur – und ging dennoch bis zur Unkenntlichkeit unter. 

Betrachtung

Der höchste intellektuelle Peak der Menschheit ist seit ca. 2000 Jahren überschritten. Seit der Antike ist nicht mehr so großartig gedacht und gehandelt worden – wurden so substanzielle Systeme kreiert wie zu dieser Zeit. Die Neuzeit hat sich seit dem vor allem auf die Effizienz, das Verwalten dieser Errungenschaften konzentriert. Dabei wurde graduell agiert – bestehende Prinzipien wurden untersetzt und in Varianzen gebracht. 

Mit der Erfindung der IT erreicht die Idee des Verwaltens nun tendenziell seinen Zenit (Ausnahme: e-manufacturing, etc.). Wir sehen es an solchen Global-Playern wie Apple, Google, Amazon, Facebook, Twitter, Instagram, Youtube, airbnb, Instagram, etc.. Sie alle bringen nichts wesentlich Neues hervor. Lediglich verwalten und verteilen sie den Iststand in bisher ungekannter, komplexer Weise, so dass der Anschein von etwas Neuem entsteht.

Immer größere konventionelle Netzwerke werden nun mit Unterstützung der IT generiert. Das Problem dabei ist der Mensch (99,9% davon). Er verunreinigt die hochleistungsfähige IT (die 0,1 % kreierten) mit seiner Unfähigkeit, über eine bestimmte, komplexe Qualität hinaus zu denken. Insofern ist die IT nicht negativ zu belasten – die Rolle des Menschen, oder besser, die der kleinen Geister innerhalb dieser Spezies, schon. Allein dies führt im Vorfeld von zukünftig ausschließlich IT-gesteuerten Prozessen zu Fehlern, die in der Kette und Kombination zu Zusammenbruch solcher schon jetzt existenziellen IT-Strukturen führen. Erste Vorboten dieser nicht mehr beherrschbaren Komplexität erkennen wir, wenn wir scheinbare Marginalien analysieren.

In der logischen Folge scheitern vor allem in den am höchsten entwickelten Industrienationen immer mehr Vorhaben – zumindest in der vormals gedachten Weise (Form, Funktion, Erscheinung, Kostenrahmen, etc.). So werden z.B. Bauprojekte entweder nie, nur in reduzierter Form oder aber gänzlich unadäquat im Hinblick auf die Prämissen der Zeit realisiert. 

Bleiben wir in Deutschland. Ob nun Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg, der Flughafen BER, die VW-Abgasaffäre, etc., etc., etc., – vorerst meist alle öffentlich-rechtlichen Vorhaben (das ist interessant) zeugen stellvertretend davon, dass komplexe Strukturen, ab einer gewissen Größe, vom Menschen nicht mehr zu beherrschen sind.

Das Paradoxe daran: In früheren Zeiten scheiterten großartige Vorhaben vor allem an der mangelhaften Technologie. Heute ist der Zugriff auf beinahe grenzenlos die Phantasie des Menschen unterstützende Technologien dank großer Geister tendenziell gegeben. Es ist allein der Hochmut der Durchschnittlichen, die propagieren, dass man mit durchschnittlichen Mitteln, mit durchschnittlichen Methoden, mit durchschnittlichem Geist, mit durchschnittlichem Aufwand, mit durchschnittlichem Engagement – letztlich mit einem konservierenden Prinzip der Effizienz, das Überdurchschnittliche, das Außergewöhnliche, das Innovative, das anfangs Uneffiziente, das zeitgenössisch Adäquate, erreichen kann. 

Fazit

Menschen können ein gewisses Maß an Komplexität erzeugen. Anscheinend sind sie aber nicht in der Lage, diese – in Varianzen – über einen längeren Zeitraum zu verwalten. Denn mehr Innovation führt zu mehr Komplexität und dies zunächst zu mehr Wohlstand. Ein hoher Grad an Wohlstand – meist in der dritten Generation (unter Bezug auf die konventionelle Psychologie des Menschen) – führt, und dies ist ein unauflösbares Paradoxum, zur Stagnation im Denken und Handeln.

Erinnern wir uns nun an Atlantis. Die Frage ist doch: Wenn Atlantis in allen Belangen ähnlich hoch entwickelt war, wie wir dieser Tage, und dennoch „unterging“ – steht uns ein identisches Schicksal bevor?