"mutant games"

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Olympia – Die Mutantenspiele

posted by Llork

Spätestens in Rio ist der olympische Geist bis zur Unkenntlichkeit mutiert. Dies hat der IOC-Vorsitzende Bach sowohl während seiner Eröffnungs- als auch zur Abschlussrede der Spiele bewiesen, indem er all die Schwierigkeiten und Probleme, die dem Austragen solcher sportlichen Großereignisse seit vielen Jahren implizit sind, in einer Höchstform von Bigotterie passiv verschwieg, ja sogar aktiv negierte.

Das aktuelle Beispiel zeigt, wie die „3. Generation“ der Manager es vermag, jede noch so ehrbare Idee in einem See von Gier, Macht, Eitelkeit und letztlich Ignoranz und Hochmut zu ertränken. Insbesondere in Rio konnte man diese traurige Realität verifizieren – ein Schwenkvon den Hochglanz-Arenen auf die Favelas der Stadt reicht aus, um zu begreifen, wie stark die von Bach beschworene Einheit der Menschheit zerbröselt ist.

Bislang konnte das aus der Antike bekannte „Brot und Spiele-Prinzip“ noch immer alle Kritiker unter dem Schein des obligatorisch pompösen Abschluss-Feuerwerkes verstummen lassen. Ob das in Zukunft so reibungslos verläuft, ist fraglich. Denn das Prinzip, auf dem all diese Probleme beruhen – das Brechen der eigenen Regeln durch Korruption, Bestechung, Betrug, etc., reduziert sich offensichtlich nicht. 

Nun kann man nicht erwarten, dass die Nutznießer der Vorteile dieses Systems beim kreuzen in ihren Luxuslimousinen durch Rios Straßen (von der Arena in den Puff?) in Anbetracht der offensichtlichen Armut geläutert worden sind. Das ist in der Geschichte der Menschheit noch nie passiert. Jedoch ist die Sackgasse derart dramatisch, dass ein Schlupfloch aus dieser in naher Zukunft erfunden werden muss.

Vor allem das Thema Doping war zuletzt eines der Themen, welches die Sackgasse eines Systems aufzeigt, das, wie auch unsere westliche Interpretation von Marktwirtschaft, einerseits immer neues Wachstum fordert, andererseits dieses aber künstlich reglementiert (an Betrug, Korruption, Geldwäsche, Inanspruchnahme der Steuerzahler, etc. haben wir uns ja schon gewöhnt).

Vision / die Zukunft, der Ausweg

Dabei könnte insbesondere das Thema Doping in jeglicher Hinsicht ein Befreiungsschlag für die Sportwelt bedeuten, würde man es regelgetreu und ehrlich auslegen. Würde man auch den Sportlern uneingeschränktes Doping genehmigen (so wie es die IOC-, FIFA-, DFB-, etc.- Funktionäre selbst auch schon längst in Anspruch nehmen), könnte der olympische Gedanke von „Höher, Schneller und Weiter“ wieder in den Fokus der Wahrnehmung treten und den allgegenwärtigen, moralischen Abgrund des “Systems Sport“ vergessen machen.

Idee

Im gesamten Sport wird Doping legalisiert. Jeder kann nach seiner Vorstellung und mit allen erdenklichen Mitteln danach streben, seine körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Jegliche Stimulanzien, wie Narkotika, Anabolika, Diuretika, Peptid- und Glykoproteinhormone,  Epo- und Blutdoping, Gendoping und andere noch nicht bekannte Dopingverfahren werden dann statthaft sein. 

Überdies sind so genannte „Cyborgs“ – Mensch-Maschine-Konstrukte – nicht mehr nur legal, sondern auch zwingend erwünscht. Menschen mit Behinderungen können sich mit Roboterprothesen, Exoskeletten, Motor-Orthesen, etc. ausrüsten, um ihre Defizite in Vorteile umzuwandeln.

Darüberhinaus werden, auf technischen Hilfsmitteln basierende, Sportarten von Auflagen befreit, welche die weitere Entwicklung dieser Hilfsmittel bis dato unterbunden haben: Speere können demnach mit Flügeln oder gar mit Propellern ausgestattet sein, ein Stabhochsprungstab wäre teleskopisch, ein Mountainbike hätte elektrischen Allradantrieb, Kanus würden mit elektrisch betriebenen Propellerrudern vorangetrieben, etc..

All diese Neuerungen des Reglements machten eine neue Struktur der Wettkämpfe und Spiele erforderlich. Olympia, so wie wir es kennen, gehörte dann der Vergangenheit an. Das neue Olympia wäre ein noch Spannenderes, als wir es je kannten. Es würde sich, wie heute auch schon, in zwei Kategorien teilen:

1. Die Spiele der Schönheit: 

Es sind die Spiele der klassischen, aber dann anachronistischen Sportarten (so wie wir sie heute kennen). Doch nicht das „Höher, Schneller und Weiter-Prinzip“ steht im Rahmen dieses Vergleichs zur Disposition. Vielmehr wird die Schönheit der Ausführung honoriert – die Art und Weise, die Anmut, die Grazie, die Körperform, Gestik, Mimik, etc. –  kurz: einziges Bewertungskriterium ist die B-Note.

2. Die Spiele der Rekorde:

Der Mensch kann mit den Möglichkeiten der Maschine schon lange nicht mehr mithalten. Weil die Entwicklung der Technisierung diesen Fakt geschaffen hat, ist es an der Zeit, darauf zu reagieren. Vor allem aber ist es die dem menschlichen Wesen implizite Eigenschaft, Grenzen zu überwinden, die den Schritt hin zu den Mutanten-Spielen fordert, wollen wir unserer Biologie, den neuronalen Impulsen, gerecht werden.

Insofern stellt sich hier keine ethische Frage. Was denkbar ist, erscheint möglich und was möglich erscheint, war bis dato immer auch machbar. Ganz abgesehen vom fantastischen Potenzial, das solche Mutanten-Spiele hätten – es wird laufend Rekorde und in den nächsten hundert Jahren immer wieder neue Kreaturen zu bewundern geben – impliziert dieses Szenario unvorstellbare Mengen an Rendite (das Moos wollen doch die Funktionäre eigentlich, um ans Möschen zu kommen).

Neue Technologiefelder und Industrien werden rund um dieses Spektakel entstehen. Die Sportler (Mutanten) werden vom Volk für ihre Kreativität und ihren Mut zu Helden stilisiert (solange sie eben leben).

Der Zuschauer wird wieder begeistert sein von Events, die den ausgeschriebenen und propagierten Regeln folgen – nämlich tatsächlich höher, schneller und weiter zu kommen, konsequent und ohne Kompromisse. Dies alles dürfte so mache Frage nach den illegalen Methoden der großen Sportverbände zu Marginalien degradieren.